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"Tag der Selbsthilfe" in Itzehoe
"Wenn die Verdauung verrückt spielt" (Interview)
"Vortrag über das Reizdarmsyndrom"
Damit die einzelnen, in Itzehoe ansässigen Selbsthilfegruppen nicht nur ihre Arbeit Monat für Monat im "stillen Kämmerlein" leisten – wurde dieses Jahr das 3. Mal der "Tag der Selbsthilfe" im hiesigen Holstein-Center von der Itzehoer KIBIS organisiert und ausgerichtet. Die "Reizdarm-SHG", die ich am 18.02.2004 ins Leben rief, war dieses Jahr zum ersten Mal dabei.
Der Veranstaltung ging voraus, dass wir uns während unserer letzten beiden Treffen überlegten, welche Themen uns wichtig sind und wie wir unseren Stand gestalten wollten. Wir entschieden uns für folgende Themenbereiche: "Wärme", "Entspannung", "allgem. Informationen über RDS, Laktose- und Fructoseintoleranz".
Zudem sollten Info-Blätter über die Themen: "Psychologie" und "Nahrungsmittel, die den Magen/Darm reizen" ausgelegt werden.
Zusätzlich besorgten wir drei verschieden große Körbe. In denen präsentierten wir Nahrungsmittel, die laktose- und fructoseintolerante Patienten nicht essen dürfen sowie Nahrungsmittel, die Reizdarmpatienten im allgem. nicht vertragen.
Wir, d. h. zwei meiner Gruppenmitglieder und ich, trafen uns um 9.00 Uhr in der Tiefgarage des Einkaufscenters. Zusammen mit den Utensilien für unseren Infostand fuhren wir zur Veranstaltungsebene des Holstein-Centers
Mit vereinten Kräften machten wir uns daran, den 3 m langen Tisch aufzubauen. Es folgte die Platzierung der Info-Blätter. Zu den o.g. Themen wie "Wärme" legten wir z.B. ein Körnerkissen, Wärmflasche und Tee aus. Um das Thema "Entspannung" zu unterstreichen wurden Bücher, CD`s und Infoblätter ausgelegt.
Zur eindrucksvollen Darstellung der Erkrankung entschieden wir uns für zwei große Plakate, die in Eigenarbeit hergestellt worden waren. Die Plakate trugen jeweils die Überschrift "Was ist überhaupt ein Reizdarmsyndrom?" und "Die 10 häufigsten Fragen zum Reizdarmsyndrom".
Unser Stand wurde von ca. 15 Betroffenen besucht, die sich eingehend über die Erkrankung informierten und auch an unseren monatlichen Treffen Interesse zeigten.Die Infoveranstaltung ging von 10.00 bis 14.00 Uhr und verlangte von uns eine hohe Konzentration. Darum war es nicht verwunderlich, dass wir um 14.20 Uhr, nach dem Abbau unseres Standes, erschöpft aber glücklich waren.
Bei einem anschließenden Tee in einen der nahegelegenen Cafès haben wir uns über das Erlebte noch einmal ausgetauscht. Für uns als Gruppe war es eine gelungene Teilnahme: und sollte die Veranstaltung nächstes Jahr fortgesetzt werden
Autorin: R. Dieckmann
"In Itzehoe hat sich eine neue Selbsthilfegruppe „Reizdarmsyndrom" gegründet.
Der Bauch grummelt und schmerzt, aus heiterem Himmel kommt es immer wieder zu kaum beherrschbaren Durchfall-Attacken. Die Betroffenen leiden oft über Jahre, ohne dass Ärzte die Ursache finden. Viele kapseln sich ab, gehen kaum noch aus dem Haus … die Verdauung könnte ja plötzlich wieder verrückt spielen. Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung unter dem Reizdarmsyndrom leiden. Vielfach wird die noch relativ unbekannte Erkrankung, die sich in selteneren Fällen auch durch hartnäckige Verstopfung äußern kann, von Medizinern nicht diagnostiziert. Oft schweigen die Betroffenen ganz einfach aus Scham.
So haben auch fast alle Mitglieder der KIBIS-Selbsthilfegruppe eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bis der Gegner, der das Leben zur Hölle macht, mit „Reizdarmsyndrom" oder „RDS" wenigstens einen Namen erhielt. „Es gibt keinen direkten Nachweis für die Krankheit, irgendwann fühlt man sich als Hypochonder abgestempelt", beschreibt Regina Dieckmann, die die Gruppe gegründet hat, die Selbstzweifel, wenn es nach einer ärztlichen Untersuchung mal wieder heißt: „Wir können nichts finden … sie sind organisch gesund."
Erst nach vielen Untersuchungen wird der Reizdarm als Schuldiger identifiziert. Aber: „Die gängigen Medikamente bekämpfen nur die Symptome, aber nicht die Ursache", sagt Regina Dieckmann.
Eine große Rolle spielt auch die seelische Belastung, die durch Unverständnis im Umfeld des Patienten noch gesteigert wird … RDS wird häufig zwischen nervöser Anstellerei und mangelnder Selbstbeherrschung angesiedelt. „Wer jemals eine wirklich schlimme Magen-Darm-Infektion oder eine Lebensmittelvergiftung hatte, kann sich vielleicht vorstellen, dass Selbstbeherrschung dabei wirklich kein Thema ist", gibt Christine Harms, die seit Jahren an der Krankheit leidet, einen Eindruck von der Stärke der unverhofft einsetzenden Attacken.
Der Kinositz ganz am Rand, der stets parate Fluchtweg zur nächsten Toilette sind für die Betroffenen Vorsichtsmaßnahmen, die doch keine echte Sicherheit bieten. Was wenn es im Auto passiert? Oder bei der Arbeit? Beim Einkaufen? Gerade die Angst, hilflos ausgeliefert zu sein, die Angst vor der peinlichen Blamage in aller Öffentlichkeit schlägt bei vielen Patienten aber ganz direkt auf Magen und Darm durch … ein Teufelskreis, der nicht selten bei völliger Abkapselung von der Außenwelt und schweren seelischen Erkrankungen endet.
Hilfe verspricht hier nur eine weit gefasste Therapie, die unterschiedlichste Ansätze von der Ernährungsumstellung bis zu Stressabbau und Entspannungsübungen kombiniert. Mehr Verständnis für die noch immer weitgehend unbekannte Krankheit soll nun ein mutiger Schritt an die Öffentlichkeit bringen: Am Donnerstag, 12. August, ab 20 Uhr lädt die Selbsthilfegruppe zu einem Vortrag der Ernährungsberaterin Birgit Rutz in die Räume der Teestube, Viktoriastraße 14, ein.
Die Selbsthilfegruppe „Reizdarm" trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat. Ansprechpartnerin ist Regina Dieckmann (Telefon 04824/3321 oder 0172/5156251)".
Quelle: Norddeutsche Rundschau, August 2004, von Stefan Bartels
Am 12. August 2004 fand ein Vortrag über die Definition und Therapiemöglichkeiten bei RDS in den Räumen der Teestube Itzehoe e.V. statt.
Referentin war Birgit Rutz, zert. Ernährungs- und Diätberaterin, die sich seit dem Zeitpunkt seit 1 ½ Jahren intensiv mit dem Thema "Reizdarmsyndrom" auseinandersetzt.
Zunächst trafen sich Frau Rutz und ich gemeinsam mit unseren Ehemännern zu einem gemütlichen Abendessen. Danach ging es zu den Räumlichkeiten der Teestube Itzehoe e.V., in denen auch immer die regelmäßigen Treffen der SHG stattfinden.
Der kleine Raum füllte sich nach und nach immer mehr mit Interessierten.Es waren insgesamt 16 Betroffene anwesend. Zunächst begrüßte ich Frau Rutz mit ein paar einleitenden Worten.
Dann hielt Frau Rutz ihren Vortrag. Dieser war sehr informativ und sprach RDS und die Symptome, Untypisches für RDS, Begleiterkrankungen, Untersuchungsnotwendigkeiten, die Therapieansätze bei RDS sowie abschließend die Ernährungsumstellung an.
Frau Rutz hielt den Vortrag in einer sehr ruhigen, souveränen und ausführlichen Art ab, und ich sah in den Gesichtern der Vortragsteilnehmer, dass sie sehr wissensdurstig waren. Das führte auch dazu, dass sie während des Vortrags Fragen stellten, die von Frau Rutz auch gerne beantwortet wurden. Insgesamt hatte der Vortrag mit Zwischenfragen und abschließenden Fragen eine Länge von 2 Stunden.
Zum Abschluß haben wir uns, d. h. die Mitglieder der RDS-SHG Itzehoe, mit einer selbstgemachten Karte und einem Blumenstrauß bei Frau Rutz bedankt.