Die Diagnostik ist oft schwierig, weil die Störung mit sehr unterschiedlichen Beschwerden in Erscheinung tritt und damit andere Erkrankungen „nachahmen“ kann.
Wichtig ist jedoch, dass Reizdarm-Patienten eine normale Lebenserwartung haben und dass ihr Risiko, an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder an Krebs zu erkranken, nicht höher ist als dasjenige der Allgemeinbevölkerung.
Beim Reizdarm oder Stressdarm liegt eine Störung der Darmfunktion vor. Obwohl bis heute keine organischen Ursachen für das Reizdarmsyndrom gefunden werden konnten, führt die Erkrankung zu einer Reihe von Beschwerden wie z.B.: Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall (oft auch im Wechsel), Gefühl der unvollständigen Darmentleerung nach dem Stuhlgang, erhöhte Darmtätigkeit, plötzlicher Stuhldrang - können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Einige Faktoren, die zu den Reizdarm-Beschwerden beitragen:
Eine gesteigerte Empfindlichkeit im Magen-Darm-Trakt
Psychosomatische Faktoren
Eine Veränderung der Darmperistaltik
Die Darmwand ist mit vielen feinen Nervenästen ausgestattet, die bei Reizdarmpatienten ungewöhnlich empfindlich sind. Stress, Hektik und ungelöste Probleme oder Ängste verschlimmern oft die Symptome.
Das Reizdarmsyndrom ist fast so häufig wie eine gewöhnliche Erkältung. Es leiden mehr als ca. 10 % der Bevölkerung an dieser Erkrankung. Am häufigsten ist die Altersgruppe der 30- bis 60-Jährigen betroffen, doch auch Kinder, Jugendliche und Senioren können unter einem Reizdarm leiden. Frauen erkranken häufiger an einem Reizdarm als Männer.
Störungen und Erkrankungen, die den Darm betreffen, werden als peinlich empfunden und oft verschwiegen. Deshalb ist die breite Öffentlichkeit auch wenig über das RDS informiert und viele Betroffene versuchen lieber, ihre Beschwerden selbst in den Griff zu bekommen, anstatt einen Arzt aufzusuchen.
Bauchschmerzen und –krämpfe gehören zu den häufigsten Symptomen des Reizdarms. Die Schmerzen können überall im Bauch und zeitweise im Zusammenhang mit den Mahlzeiten auftreten. Viele Patienten berichten, dass ihre Schmerzen nach der Stuhlentleerung oder nach dem Abgang von Darmgasen nachlassen.
Der Reizdarm kann sich auch durch chronische Verstopfung oder durch chronischen Durchfall bemerkbar machen. Bei manchen Patienten wechseln sich Verstopfung und Durchfall ab. Auch ist Schleimausscheidung beim Stuhlgang möglich.
Blähungen, ein Gefühl des Aufgetriebenseins und Übelkeit sind weitere Symptome, die auf ein RDS hindeuten können. Manche Patienten haben nach dem Stuhlgang das Gefühl, dass ihr Darm noch nicht vollständig entleert ist. Wichtig ist, dass beim Reizdarm nicht alle genannten Symptome vorliegen müssen. Auch sind die Beschwerden nicht immer gleich stark ausgeprägt. Nachts treten in der Regel keine Beschwerden auf.
Symptome wie Gewichtsverlust, Fieber und Blutbeimengungen im Stuhl sprechen gegen ein Reizdarmsyndrom. Diese Beschwerden können auf eine schwerwiegende organische Erkrankung hinweisen und sollten umgehend von einem Arzt abgeklärt werden.
Bei Verdacht auf Reizdarmsyndrom sollte der Arzt eine sehr sorgfältige Krankengeschichte (Anamnese) erheben und genau nach den Beschwerden, Ernährungsgewohnheiten, Lebensstil und evtl. psychischen Belastungen fragen. Eine genaue körperliche Untersuchung ist anschließend unbedingt nötig.
Hierzu sind einige Untersuchungen wie z. B.:
Verschiedene Blutuntersuchungen
Analyse des Stuhls
Magen- Darmspiegelung
Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung (je nach Art der Beschwerden)
Dünndarmbiopsie, um z. B. Zöliakie/Sprue auszuschließen
Intoleranzen sollten ausgetestet werden z. B. anhand eines Laktose-/Fructose-Intoleranztests (Blutuntersuchung oder H2-Atemtest)
Überprüfung der Bauchspeicheldrüse betr. Fettverwertung/-verdauung
zu nennen.
Sind organische Erkrankungen ausgeschlossen und hat der Arzt ein RDS diagnostiziert, sind wiederholte Untersuchungen überflüssig – nur sinnvoll bei Auftritt neuer Symptome.
Depressionen, Angsterkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Schlafstörungen, Erschöpfung, herabgesetzte Leistungsfähigkeit und soziale Isolation.
Steht die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ fest, sollte die Lebenssituation des Patienten genau analysiert werden. Folgende Faktoren können Linderung beim Reizdarm verschaffen:
Stressabbau im Beruf/Familie/Partnerschaft
Abbau von übermäßigem Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekonsum
Ernährungsumstellung (z. B. Ernährungstagebuch unter fachm. Anleitung)
Medikamenteneinnahme - bezogen auf die Symptome
Da psychische Faktoren wie Stress und ungelöste Konflikte Reizdarm-Beschwerden verschlimmern können, ist bei manchen Patienten eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt. Auch ein Aufenthalt in einer Kureinrichtung kann Linderung verschaffen und den Blick auf neue Lebensperspektiven eröffnen.